Unschärfe ist ein unscharfer Begriff. (2026)
Diplomarbeit und Ausstellungskonzept
Unschärfe kann nicht isoliert betrachtet werden. Sie ist nur in Bezug auf Referenzen sichtbar. In "Unschärfe ist ein unscharfer Begriff." geht es um Unschärfe als Haltungs- und Gestaltungsfrage – wie wir der gegenwärtigen Welt begegnen wollen und können. Das Manifest der Unschärfe definiert zunächst den Blickwinkel, aus dem die Arbeit über das Thema Unschärfe spricht.
Dreißig essayistische Texte untersuchen daraufhin den Begriff in vier Kategorien: unscharf sehen, abbilden, sein und wissen. Die dabei genutzten Referenzen sind eine Momentaufnahme von Gedanken, Assoziationen und Anekdoten, entstanden aus der intensiven Beschäftigung mit dem Thema Unschärfe und der Beobachtung meines Alltags.
Es geht um persönliche Themen und Erfahrungen, wie um das Verliebtsein, das Tagebuch-Schreiben oder temporäres Dissoziieren, um künstlerisch-ästhetische Themen wie die Epoche der Romantik, Unschärfe als Gestaltungsmittel, das Albumcover von brat, Marina Abramović oder die Ästhetik der Backrooms und #dreamcore, und um gesellschaftlich-kulturelle Bezüge wie die (Post-)Postmoderne, Mythos, Gender, Brain Rot und KI, Bubbles und Rausch – um nur einige beispielhaft zu nennen.
Das Buch wurde in der Druckwerkstatt des Fachbereichs Gestaltung gedruckt und gebunden. Die handliche Größe und die Softcover-Klebebindung bekommen durch das Umschlagpapier neobond eine besondere Haptik: Das Synthesefaserpapier wird üblicherweise für amtliche Dokumente oder Führerscheine genutzt und ist daher trotz hoher Strapazierfähigkeit sehr flexibel. Als Buchumschlag fühlt sich die Arbeit so gleichzeitig robust und wertig sowie weich und flexibel an.
Im Ausstellungskonzept wird die Arbeit inhaltlich durch eine ortsspezifische Fotografie ergänzt, die mithilfe einer besonders hochauflösenden Mittelformatkamera aufgenommen wurde. Das großformatig gedruckte, unscharfe Bild schafft Raum für einen Moment des Stillhaltens. Während das Manifest an der Wand, als Heft zum Mitnehmen und im Buch provoziert und die Texte einordnen, entzieht sich das Bild jeder Forderung und jedem Urteil. Verschiedene Ausschnitte aus dem Bild sind darunter außerdem als Postkarten platziert und laden dazu ein, das vom Bild ausgelöste Gefühl mitzunehmen.






